Embody, Chairholder Aktionsmodell in der MAXIM 02/2009

Embody, Chairholder Aktionsmodell in der MAXIM 02/2009

CHEFSESSEL SIND EIN SYMBOL DER MACHT - UND JETZT AUCH HOCHTECHNOLOGIE

TEXT - ALEXA VON HEYDEN Es noch gar nicht solange her, da zeichnete sich ein guter Chefsessel vor allem dadurch aus dass er keine Rollen hatte. Schwer und unverrückbar musste er sein. Geschaffen für die Ewigkeit. So sollte er wirken. Das hektische von einer Ecke in die andere Rutschen überließ man den einfachen Angestellten. Doch seitdem Arbeitsmediziner das Zeitalter des dynamischen Sitzen (heißt: möglichst häufig die Sitzposition wechseln) ausgerufen haben ist es damit vorbei. Und nun gibt es auf dem Chefsessel-Markt sogar eine kleine Revolution: den „Embody* der US-Firma Herman Miller. Die erste Bürositzgelegenheit, die - so der Hersteller - »Körper und Seele" gleichermaßen unterstützt. "Seele"? Bisher war man sich gar nicht so sicher, dass Chefs eine haben. Egal. Jedenfalls verfugt der "Embody" über „reflexartige Sitzfläche", zonenweise Unterstützung, integrierte Größen eistellung sowie einen eingebauten Beckenstabilisator. Alles einstellbar mittels zahlreicher Drehknöpfe und Hebel Die Technik, die das möglich macht, kann man sogar sehen. Sie ist Teil des futuristischen Designs.

DAS PRIVILEG DER MÄCHTIGEN

In früheren Zeiten, als Chefsessel eine Art Thron-Ersatz waren, goutierte man eine andere Ästhetik. Hohe Rückenlehne, schwarzes Leder, Goldapplikationen, Holzschnitzereien. Über Jahrhunderte bleibt das Sitzen das Privileg von Priestern und Königen. Ausdruck ihrer Macht und Verbundenheit mit den Göttern. Erst im 16. Jahrhundert etabliert das Bürgertum den Stuhl als Möbelstück. 1902 stellt der Architekt und Designer Frank Lloyd Wright den ersten Entwurf eines Burostuhls aus Metal mit Rollen vor - erst 1936 wird ein Büro tatsächlich damit ausgestaltet.

Die vorlieben der Chefs

Viele Manager, die heute in den obersten Etagen der DAX-Unternehmen sitzen, ziehen die Optik weiterhin einem ergonomischen Zeitgeist-Zauber vor. Derzeitiger Favorit vieler Wirtschaftskapitäne ist jedenfalls der bereits seit 1969 existierende Klassiker »EA 219" (Vitra, 3730,-- Euro). Und der ähnlich beliebte "Lobby Chair" (Herman Miller, ca. 4380,-- Euro) wurde schon 1960 entworfen. Ja, der Stuhl schaffte es sogar in den Sportteil der Zeitungen. Zu verdanken hat er das Schachgroßmeister Bobby Fischer. Der drohte bei der Weltmeisterschaft 1972 in Reykjavik mit Boykott, wenn man ihm nicht zügigst einen „Lobby Chair* unter seinen Hintern schieben wurde. Als sein Gegner Boris Spasski davon erfuhr, verlangte dieser ebenfalls nach einem. Fischer gewann trotzdem.

Eine andere aktuelle Chefsessel-Topmarke: Wilkhahn. Die Kundenliste des Unternehmens aus Niedersachsen liest sich wie das Whos Who der Mächtigen. SCHWER UNO UNVERRÜCKBAR MUSSTE DER CHEFSESSEL SEIN. GESCHAFFEN FÜR DIE EWIGKEIT Selbst die Bundestagsfraktionen und die Weltbank in New York und Tokio ordern bei der 1907 gegründeten Firma.

MANGER, MINISTER UND KRIMINELLE

Der Wilkhahn-Bestseller Ist die "FS-Linie", deren elastische Sitzschale den Manager-Rücken vor schmerzhaften Verspannungen schützt - auch den von Außenminister Steinmeier. Aber selbst die alten Monster aus Leder und Holz bleiben gefragt. Im Onlineshop www.gangsterways.com wird eine Replik jenes Sessels angeboten, auf dem Al Pacino als Mafia-Boss Tony Montana in "Scarface" seinen Geschäften nachging. Preis: 640 US-Dollar

links Softpad Chair, rechts Lobby Chair von vitra

links Softpad Chair, rechts Lobby Chair von vitra