Der Zartbitterweihnachtsmann

Der Weihnachtsmann war, wie es bei Weihnachtsmännern aus Zartbitterschokolade nicht selten vorkommt, zart besaitet und besaß darüber hinaus auch noch eine pessimistische Ader. Im Gegensatz zu all den zuckersüßen Kollegen aus Vollmilchschokolade sah er die Welt nicht ganz so heiter und dachte viel über den Sinn des Lebens nach; an Weihnachten verschenkt zu werden. Auf die Art und Weise des Schenkens kam es an. Schließlich war er Experte in Sachen Weihnachten. Und der Sinn des Weihnachtsfestes war es doch, jemandem eine Freude zu machen. Das Fest der Liebe! Doch die Realität, das wusste der kleine Mann, sah anders aus. Das Fest des Gebens verkam zu einem Fest des Nehmens. Und wenn doch das Geben sein Lebenszweck war, so wollte er das Genommen werden nicht hinnehmen, nein, er wollte entscheiden, wie und von wem er verschenkt wurde. Es war nun der Abend des 24. Dezembers und die Bitterkeit hatte vom Gemüt des kleinen Weihnachtsmannes inzwischen ganz Besitz ergriffen. Alles hatte er versucht. Er hatte sich von Großmüttern mitnehmen lassen, von Ehemännern, von jungen Damen und von Kindern. Doch jedes Mal war er enttäuscht worden. Bei den Großmüttern dachte er, sie wollten ihn an ihre Enkel verschenken, um ihnen eine Freude zu machen. Doch nein, es war blanke Bestechung gewesen. "Wenn ich dich ihm schenke", so hatte die alte Frau zu ihm gesagt, "dann muss mich mein Enkel endlich besuchen kommen und sei es nur, um sich zu bedanken." Die Ehemänner, so hatte der Weihnachtsmann dann gedacht, die beschenken ihren Frauen aus Liebe, um ihnen eine Freude zu machen. Doch nein, es war wieder anders gekommen. "Einen Weihnachtsmann schenken muss ich ja", hatte der eine zu ihm gesagt, "und wenn ich dich meiner Frau schenke, dann wird sie wenigstens nicht noch dicker, denn Zartbitterschokolade soll nicht ganz so schnell auf die Hüften schlagen wie Vollmilch." Eine Frechheit, befand der kleine Weihnachtsmann. Und die Kinder, die waren gar zu grausam. "Mit dir werden wir einen Mordsspaß haben", versicherten ihm zwei Brüder. " Dich schenken wir unserer Schwester und füllen dich mit Rasierschaum." Das ging endgültig zu weit. Bevor ihm die unerzogenen Kinder zu Leibe rücken konnten, machte sich der Weihnachtsmann rasch davon. Er hatte die Nase gestrichen voll. Mit hängenden Schultern schlurfte er bitter, sein Glöckchen im Schnee hinter sich her schleifend, zurück zur Schokoladenfabrik. Alle Hoffnung hatte er aufgegeben. Seinen Lebenszweck hatte er nicht erfüllt. Als er in der Fabrik ankam, hoben ihn sogleich Hände auf, doch es war ihm einerlei. Er spürte vor lauter Enttäuschung gar nichts mehr. Als der Weihnachtsmann das nächste Mal die Augen aufschlug, sah alles ganz anders aus. Die Sonne schien heller als je zuvor und die Blätter an den Zweigen vor dem Fenster waren zartgrün. Als er an sich hinunter blickte, so sah er, dass er wohl eingeschmolzen und neu geboren worden war. Nun hatte er lange Ohren statt einer Zipfelmütze, ein Stummelschwänzchen und eine Stupsnase. Probeweise wackelte der frisch gebackene Zartbitterhase mit seinen Löffeln und begann, über Ostern nachzudenken. Dann hellte sich sein Gesicht auf. Auch an Ostern wird Schokolade verschenkt, um Freude zu bereiten, dachte er sich. Eine neue Chance? Es gibt immer eine neue Chance. Frohe Weihnacht 2009 Ihr Chairholder Team