Aluchair - ein Stuhl der Macht!

Auf dem "Aluminium Chair EA 117" von Ray & Charles Eames regiert Angela Merkel jetzt schon über vier Jahre.
der Aluchair EA117 von vitra

der Aluchair EA117 von vitra

Angela Merkel im Büro (Kanzleramt, Berlin) Im Hintergrund die EA117 Aluchairs von vitra

Angela Merkel im Büro (Kanzleramt, Berlin) Im Hintergrund die EA117 Aluchairs von vitra

Orte: Bundeskanzleramt, Willy-Brandt-Straße 1, 10557 Berlin.
Seit dem 22. November 2005, dem Tag, an dem sie erstmals zur Bundeskanzlerin gewählt wurde, sitzt Angela Merkel auf dem "Aluminium Chair"

Merkmale: Geschwungenes Aluminium, dunkles Leder. Das Metall wirkt technisch, männlich. Dagegen steht das Leder, ein lebendiger Stoff, der ein Stück Natur in unsere Zeit rettet. Der Schwung der Lehne zeichnet die Silhouette der menschlichen Wirbelsäule nach. Dahinter steckt eine geniale Idee: Die Designer bespannten zwei Bügel mit einer Textil- oder Ledermembran, die sich der individuellen Körperformen anpasst.

Menschen: "Wer sagt denn, dass sinnliches Vergnügen nicht auch funktional sein kann?" An dieser Frage orientierten sich Ray und Charles Eames auch beim Entwurf dieses Stuhls, der 1959 auf den Markt kam. Im Laufe seines 40-jährigen Schaffens entwarf das Designpaar aus Los Angeles einige der wegweisenden Möbel und Bauten des 20. Jahrhunderts.

Zahlen: Der "EA117" besteht aus exakt sieben Einzelteilen (Schrauben nicht mitgerechnet), aber die haben ihren Preis. Den Stuhl gibt es ab 1945 Euro bei Vitra.

Gefühle: Früher saß nur der Herrscher auf einem Stuhl, dem Thron. Auf ihm überragte der Mächtige alle. Später wurde der Stuhl demokratisiert, irgendwann besaß jeder einen. Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Sitzen zum Lebenskonzept. Auf Stühlen wird nich mehr nur gesessen, es wird gearbeitet, nachgedacht und eben auch regiert. Symbolisch sitzt die Bundeskanzlerin auf dem Stuhl, der am leichtesten wackelt und an dem am meisten gesägt wird. Der "Aluminium Chair EA 117" kommt zwar leichtfüßig daher, aber sein Fuß aus gegossenem Aluminium ist ein schwerer Brocken. Ein eleganter Stuhl, bei dem das Wesentliche sichtbar wird: die Konstruktion. Nichts ist kaschiert oder überflüssig. Jedes Detail folgt einem Zweck. Wer hier sitzt, sitzt sicher, geborgen, aber nicht schläfrig versunken, sondern aufrecht. Die aufstrebende Stützsäule, die fließenden Linien der Armstützen, das glänzende Silber des Metalls ergeben das Bild von beherrschter Dynamik. Ein Stuhl wie geschaffen für die mächtigste Frau einer Demokratie. Er drückt aus, was auch von ihr erwartet wird: klar und transparent zu sein, aber auch überlegen und beherrscht. Ein Statussymbol, ein Klassiker der Moderne und ein Thron der Neuzeit.
Wir ahnen, dass Frau Merkels Machtgespür sie zu keinem anderen Stuhl führen konnte. Wenn Sarkozy und Obama sagen: "Ah, an Eames Chair, beautiful", ist die globale Welt in Ordnung.