Verner Panton war Däne. Anders wäre auch kaum zu erklären, warum er mit V geschrieben wird. Im Jahre 1959 erschuf Herr Panton eine unsterbliche Ikone: Den Panton Chair. Seit 1967 besitzen Menschen das geschwungene Sitzmöbel – gefertigt aus feinstem Kunststoff der Bayer AG, von Vitra in der Schweiz produziert. Wir verkaufen den Panton Chair nach wie vor "wie geschnitten Brot". Das Ding ist einfach nicht tot zu kriegen, wie das mit unsterblichen Sachen eben so ist ...

Was wir mit seinem Stuhl in den vergangenen Wochen angestellt haben, hätte Herrn Panton vermutlich gefallen, denn für Kreativität hatte der Däne offenkundig viel übrig. So haben wir 26 Menschen in Schorndorf jeweils einen weissen Panton in die Hand gedrückt. Die Aufgabe: Die Stühle sollen individuell "umgestaltet" werden. Das Ziel: Die Stühle werden unter dem Titel „Wir sitzen gerne in Schorndorf” im Rahmen der Kunstnacht ausgestellt und vor Ort zugunsten der Schorndorfer Bürgerstiftung versteigert. Am 20. September kamen alle 26 Stühle unter den Hammer und insgesamt EUR 3.000,- für den guten Zweck zusammen. Die Stadt Schorndorf hat den Betrag dann auf EUR 6.000,- "aufgerundet".

Bevor wir Sie zu lange auf die Folter spannen, erlauben Sie uns hier kurze Worte des Dankes. An die 26 Künstler, die sich teilweise mit Haut und Haaren in das Projekt investiert haben. An die 26 „Ersteigerer”, die der Bürgerstiftung ermöglichen, soziale Projekte in Schorndorf zu unterstützen.

Text: Joussen Karliczek GmbH

Dieses Riani-Kleid macht „den Panton” zu einer Diva. "Die Panton" als Königin der Nacht, ganz "pretty in pink". Wer sagt eigentlich, dass man Stühlen immer nur cremefarbene Hussen anziehen darf? Der Blick nach oben zeigt, dass der Panton noch eine ganz andere Karriere hätte haben können. Überkopf hängend wird der Stuhl zum Leuchtobjekt mit Style. Künstler: Riani und Achim Ritter / Foto: Rafael Krötz

Auch mit der Säge kann ein guter Designer feinsinnig gestalten. Den Panton also feinsäuberlich in der Mitte auftrennen und mit feinstem Filz die beiden Hälften wieder verbinden. So wird aus dem Einsitzer eine Kleinfamilien-taugliche Sitzbank, die in der Tat drei erwachsene Menschen trägt. Liebe Firma Vitra: sollte diese Panton-Bank nicht in Serie gehen? Künstler: Formteam / Foto: Rafael Krötz

Vermutlich haben die Künstler des "Famoos" am Vorabend ein Reh über Kimme und Korn erlegt. Da war dann eben ein Geweih übrig. Und viel Moos hat im Profil der schweren Stiefel gehangen. Jetzt ist aus beiden Ingredienzien ein außergewöhnlicher Stuhl geworden, der vielleicht die letzte Bequemlichkeit im Lehnenbereich vermissen lässt, dafür aber superlecker nach Waldspaziergang duftet. Künstler: Nicole Siegrist (Kunststück) / Foto: Rafael Krötz

Fliegende Teppiche kennt man ja. In den Ländern von 1000-und-1er Nacht sind das die gängigen Fortbewegungsmittel. Dieser Panton ist ein schwebender Thron mit Krönchen und schicker Zebra-Musterung, da wäre sicher auch der Sultan schwach geworden. Künstler: Kleider & Schrank / Foto: Rafael Krötz

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Drei Schmetterlinge setzen sich auf einen Stuhl, der aussieht wie eine Blumenwiese allerdings in hellgrau. Sie schwingen sanft mit den Flügeln und tragen den luftig-leichten Stuhl mühelos davon. Klingt ein bisschen wie "Alice im Wunderland". Dieser Himmelsstürmer hat übrigens den höchsten Preis bei unserer Versteigerung eingebracht. Stolze EUR 390,-. Künstler: U. Leibrandt / Foto: Rafael Krötz

Seite an Seite. Rot und Blau. Floraler Vogel trifft auf flügelleichte Blüte. Erstaunlich, dass zwei Menschen völlig unabhängig von einander Dinge entwerfen, die dann so gut harmonieren. Lustigerweise heissen die beiden Peter, vielleicht ist hier doch der Nomen ein Omen. Künstler: Peter Ippolito und Peter Kolin / Foto: Rafael Krötz

Ein Schuss, hinterrücks mitten ins Herz. Blut ergießt sich aus der Lehne des Panton. Tatort: Stuhl. Und keine Spur von der Leiche. Wie ein Krimi in bester Manier, muss dieser natürlich auch wie einer enden. Folglich führt der Weg des Täters hinter Gitter – mitsamt Sitzmöbel. Künstler: Kulturforum und Steffen Schulz / Foto: Rafael Krötz

„Wenn ich ein Engel wär, gäb ich meine Flügel her, und ließ mich fallen ...” singt Mieze, Sängerin der Band Mia, auf der Single „Engel”. Wenn Engel nach Hause kommen, die Flügel ablegen, lassen sie sich mit Sicherheit in diesen Stuhl fallen, den „himmlischsten” unserer Pantons. Künstler: Chairholder / Foto: Rafael Krötz

Wer kennt es nicht: den ganzen Tag unterwegs und keine Möglichkeit sich zu setzen und zu verschnaufen. Die Schüler der Fröbelschule „schenken” da gemeinsam eine Pause. Ein echte Wohltat ist der mit Geschenkpapier in hoffnungsvollem grün „eingepackte” Stuhl. Künstler: Klasse Ü2 der Fröbelschule Schorndorf (Sonderschule) / Foto: Rafael Krötz

Man kennt ihn: den Pausen-Clown, der für gute Stimmung sorgt. Heute sind sie vor allem in Zirkussen tätig. Ihre besondere Form der Unterhaltung ist jedoch auch an anderen Orten gefragt, wenn eine Sitzpause nötig ist. Dort heißen sie dann Panton-Clowns. Künstler: Karla Moser, Hartmann Heldt (KreativFabrik) / Foto: Rafael Krötz

Der (eigentlich ja „die”) Panton wurde der nach Barbara Künkelin benannt. Panton Barbara bietet allen eine Sitzgelegenheit, die eine Pause brauchen und greift denen unter die Arme, die Unterstützung brauchen. Ein echtes „Schorndorfer Weib” eben, dieser Stuhl. Künstlerin: Gudrun Kohler (Schorndorfer Weiber) / Foto: Rafael Krötz

Wie aus einem Sitzmöbel ein Schmuckstück wird, sieht man am Panton. Dass aus einem Schmuckstück auch Schmuck werden kann, zeigt dieser Panton: intelligentes „Pimp my chair” für Stuhl und Besitzer und für beide definitiv ein optischer Zugewinn. Künstlerin: Michaela Eiternick / Foto: Rafael Krötz

Hier nun einige der highsten Highlights!